
Lesetipp von
Sybille Kramer
23.08.2022
Leda und ihr kleiner Sohn Zeno leben sehr zurückgezogen in einer alten verlassenen Saline an einer Flussmündung. Die Gezeiten sind hier der alles bestimmende Faktor. Die Klimakatastrophe ist weiter fortgeschritten, der Kipppunkt längst erreicht.
Ab und zu kommen Touristen aus der nahen Stadt. Zeno erklärt ihnen etwas über Salzgewinnung und zeigt die alten Anlagen und Salzbassins. Das bringt ein wenig Geld ein, genau wie der Verkauf vom vorher im Internet billig bestellten Salz an die begeisterten Salinenbesucher ...
Leda, die eigentlich nie ein Kind in diese trostlose Welt setzen wollte, kümmert sich mal sehr liebevoll, mal gar nicht um den Jungen, weil sie tagelang mit Depressionen im Bett liegt.
Nach einer emotional besonders schwierigen Phase verlässt Leda ihren mittlerweile 12-jährigen Sohn. Zeno geht zwar weiterhin in der Stadt zur Schule, aber ansonsten ist er völlig allein. Das einzig Wichtige sind seine Seidenhühner und der Fluss. Nach und nach ziehen bei ihm fünf Fremde ein - Katt, Maju und die Unzertrennlichen Janusz, Golden und Pella - , die sich zu einer Art Wohngemeinschaft zusammenschließen. In Rückblenden erfahren wir von ihren früheren, abgestreiften Leben. Für Zeno werden sie so etwas wie Familie.
Der mächtige Fluss, das Salz und die Gezeiten, die in ihrem Zusammenspiel dem Land Schönheit und Zerstörung bringen, sind für mich die eigentlichen Hauptdarsteller des Romans!
Leona Stahlmann hat einen traurig-schönen Roman geschrieben, manchmal etwas merkwürdig und rätselhaft, in einer einzigartigen Sprache, die unglaublich kraftvoll und poetisch ist.
Einen Auszug aus ihrem Roman hat die Autorin bei den diesjährigen Lesetagen zum Ingeborg Bachmann-Preis vorgetragen.
Roman
dtv, 22,00 €